Warum der „Bürgerfonds“ vermutlich nicht kommt

Allen Warnungen vor Altersarmut zum Trotz: Noch immer verzichtet ein Großteil der Deutschen auf eine nennenswerte private Vorsorge. Wie die absehbare Rentenlücke wirksamer zu schließen sein könnte als mit den vorhandenen Förderinstrumenten, wird seit Jahren diskutiert. Auch kreativere Ideen wie die „Deutschlandrente“ werden dabei in den Ring geworfen. So nun ebenfalls vom Münchener ifo-Institut, das kürzlich mit einem neuen Vorschlag für Aufsehen sorgte, wie man derAltersvorsorgemüdigkeit der Deutschen abhelfen könnte: mit einem „Bürgerfonds“, an dem sichjeder Bürger zwangsweise als „Kreditgeber“ beteiligen müsste.

Der Staatsfonds soll das Geld dann an der Börse anlegen. Aufgrund seiner guten Bonität könnte er das billige Geld zur Erzielung guter Renditen nutzen und die Differenz als Gewinn einheimsen. Dieser wiederum soll bei einem Unterschied von 200 Basispunkten bei 16.000 Euro pro Bürger liegen. Die Summe bekäme man einmal in 50 Jahren ausbezahlt. Wie die „Frankfurter Allgemeine“ ausgerechnethat, würde die Rente damit pro Kopf um etwa 70 Euro monatlich aufgestockt werden können. Wenn das Investment auf Pump aufgeht.

Wert gestohlener Fahrräder seit 2008 um 70 Prozent gestiegen

Der Markt für elektrisch verstärkte Fahrräder, sogenannte Pedelecs, boomt, und auch Designräder von minimalistisch bis protzig liegen bei den Deutschen hoch im Kurs. Als logische Konsequenz daraus greifen die Käufer zunehmend tiefer in die Tasche. Der Trend zu immer teureren Fahrrädern lässt sich an den Entschädigungen ablesen, die die deutschen Versicherer nach Diebstählen zahlen müssen: 2018 stieg die Durchschnittssumme auf 630 Euro, während es 2008 noch 370 Euro waren, eine Steigerung um rund 70 Prozent.

Insgesamt wurden rund 160.000 versicherte Fälle registriert, deren Schäden sich auf rund 100 Millionen Euro summierten. Da nur ein kleiner Teil der fast 70 Millionen Räder hierzulande versichert ist, dürfte die Dunkelziffer beträchtlich sein. Auch der Polizei werden bei Weitem nicht alle Fälle zur Anzeige gebraucht.

Versicherungsschutz gibt es über eine Hausratpolice, gegebenenfalls mit Zusatzklausel für das Abstellen auf der Straße. In Deutschland verfügt knapp jede zweite der rund 26 Millionen Hausratversicherungen über eine solche Fahrradklausel.

E-Scooter kommen – und müssen versichert sein

Mitte Mai hat der Bundesrat den Weg für die Zulassung elektrischer Tretroller auf Straßen und Radwegen frei gemacht. Erwartet wird eine Riesenwelle, denn mehr als jeder dritte erwachsene Deutsche liebäugelt mit der Anschaffung eines solchen bis zu 20 Stundenkilometer schnellen E- Scooters.

Neben einer Allgemeinen oder einer Einzel-Betriebserlaubnis braucht man für die Nutzung eine Haftpflichtversicherung, da man mit den Flitzern beträchtliche Personen- und Sachschäden verursachen kann. Die Police wird durch eine Plakette am Roller nachgewiesen. Die private Haftpflichtversicherung greift – im Gegensatz zu Schäden, die man mit dem Fahrrad oder Pedelec bewirkt – beim E-Scooter nicht, da es sich um ein Fahrzeug mit eigenem Antrieb handelt, also ein Kraftfahrzeug. Die ersten Kfz-Versicherer haben bereits Tarife für die Tretroller aufgelegt. Die Integration in eine vorhandene Kfz-Police ist nicht möglich, da es sich jeweils um ein eigenständiges Fahrzeug handelt.

Auch das Verletzungsrisiko der Fahrer ist enorm, wie erste Erfahrungen in anderen Ländern zeigen. Eine Unfallpolice für das Eigenrisiko empfiehlt sich daher ebenfalls.

Mischfonds

Rund die Hälfte des Kapitals, das deutsche Anleger in Fonds gesteckt haben, entfällt auf Multi-Asset- Fonds. Damit sind die Mischfonds hierzulande so beliebt wie in keinem anderen europäischen Land. Ihre Stärke liegt in der Flexibilität, je nach Marktlage zwischen verschiedenen Assets wie Aktien, Anleihen oder Währungen umschichten zu können.

Wie eine Auswertung des Finanzanalyseunternehmens Morningstar zeigt, half das im vergangenen Jahr allerdings auch nicht besonders. Selbst die sehr offensiv ausgerichteten Fonds kamen im Schnitt nur auf eine Minirendite von 0,6 Prozent, alle anderen rutschten ins Minus. Auch die hochflexiblenMischfonds, die als „Königsdisziplin“ gelten, mussten mit durchschnittlich minus 1,2 Prozent Federn lassen. Ihr Problem: Es gab im vergangenen Jahr kaum Assets, die eine ordentliche Rendite abwarfen.

Für das laufende Jahr sind die Fondsmanager im Allgemeinen optimistischer. Schwankungen werden zwar erwartet, da Konjunkturrisiken wie Brexit, Handelskonflikte und Schuldenkrisen weiterhin auf der Tagesordnung stehen. Doch ein vergleichbar schlechtes Börsenjahr wie 2018 wird gemeinhin nicht erwartet.

Verkauf von Lebensversicherungen

In der andauernden Niedrigzinsphase fällt es vielen Lebensversicherern schwer, die in früheren Zeiten zugesagte Verzinsung zu erwirtschaften. Für einige der Anbieter lautet ein Ausweg: „Run-off“, also der Verkauf riesiger Versicherungsbestände an sogenannte Abwickler. Obwohl die vertraglich fixierten Ansprüche der Versicherten dabei geschützt sind, verunsichern solche Bestandsverkäufe viele Kunden. Aktueller Fall: die Veräußerung von rund vier Millionen Policen der Generali an den Abwickler Viridium.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat nun mit einem Forderungspapier reagiert, das im Wesentlichen fünf Kriterien für eine faire – das Verbrauchervertrauen erhaltende – Abwicklung formuliert:

  1. Bei einer Einstellung des Neugeschäfts sollten Versicherer ihre Kunden zeitnah gründlich informieren.

  2. Bei einem geplanten Bestandsverkauf sollte ein Sonderkündigungsrecht eingeräumt werden.

  3. Wechselt ein Run-off-Versicherer den Besitzer, sollten die an die Muttergesellschaft

    abgeführten Gewinne ohne Zeitbegrenzung für die Nachhaftung bereitgehalten werden.

  4. In den veräußerten Versicherungsbeständen sollte für eine Übergangszeit (5 bis 10 Jahre)

    eine Interessenvertretung der Kunden installiert werden.

  5. Mindestens 90 Prozent der Kostenüberschüsse sollten den Versicherten zugutekommen.

Immobilienfonds

Die Nachfrage nach Immobilieninvestments ist ungebrochen, wie sich im Mittelzufluss offener Immobilienfonds (OIF) im Jahr 2018 widerspiegelt: Mit rund 6,6 Milliarden Euro pumpten die Anleger eine ähnlich beeindruckende Summe in deutsche OIF wie im Vorjahr. Angesichts der erhitzten Immobilienmärkte fällt es den Fondsmanagern allerdings nicht leicht, für das ganze Geld auch lukrative Investitionsmöglichkeiten zu finden. Als Folge daraus steigt die Liquiditätsquote der Fonds. Das brachliegende und daher praktisch unverzinste Kapital verwässert aber die Gesamtrendite, was den Anlegern nicht schmecken kann.

Wie viel Liquidität vertretbar und gut ist, hat das auf das Segment spezialisierte Berliner Analysehaus Scope errechnet. Die Regel „Je weniger, desto besser“ lässt sich hier nicht anwenden, denn zum

einen müssen Mittel für Kaufgelegenheiten vorhanden sein, zum anderen kann es immer passieren, dass Anleger nennenswert Gelder abziehen. Liegt dann zu wenig Liquidität vor, droht eine Schließung des Fonds. Die Scope-Analysten differenzieren zwischen vor und nach Einführung des Kapitalanlagegesetzbuchs (KAGB) 2013 aufgelegten Fonds. Die älteren brauchen mehr Liquidität, da nach damals geltendem Recht höhere kurzfristige Mittelabflüsse möglich sind. 15 bis 20 Prozent halten die Studienautoren für günstig. Bei jüngeren Fonds lassen sich die Mittelabflüsse besser voraussehen, deshalb seien hier 5 bis 10 Prozent angemessen.

Vergleichsportale

Die Klagen über zweifelhafte Geschäftspraktiken von Online-Vergleichsportalen sind so alt wie diese selbst. Das Bundeskartellamt hat deshalb 36 führende Portale auf Verbraucherrechtsverstöße hin untersucht. Nun legten die Beamten ihren Abschlussbericht vor. Darin benennen sie zahlreiche Defizite, die auch den Versicherungsvergleich betreffen. Wie an dieser Stelle bereits berichtet, herrschen oftmals Intransparenz und Unvollständigkeit. So werden auf einigen Portalen kaum mehr als die Hälfte der Anbieter in den Sparten Haftpflicht- und Hausratversicherung gelistet. Zudem wird den Nutzern oft nicht ausreichend verdeutlicht, woher die Daten für den Vergleich stammen und welche Kooperationen das Vergleichsunternehmen unterhält.

Das Kartellamt hält regulatorische Änderungen für nötig und fordert den Gesetzgeber auf, diese einzuleiten. Dass sich damit die vorherrschenden Mängel effektiv beseitigen ließen, glauben die Beamten jedoch nicht. Daher wünschen sie sich, dass die dauerhafte Aufsicht über die Portale auf das Kartellamt übertragen wird. Eine solche Ausweitung der Eingriffsbefugnisse sei eine „gezielte undwirksame Ergänzung der privaten Verbraucherrechtsdurchsetzung“.

Baugeldzinsen

Die schwelenden weltwirtschaftlichen Unsicherheiten – von Handelskonflikten über Brexit bis hin zu Schuldenkrisen – bereiten den internationalen Investoren zunehmend Sorgen. Auch die beträchtlichen Schwankungen der letzten Zeit an den Finanzmärkten tragen dazu bei. Viele Anleger flüchten sich daher in deutsche Staatsanleihen. Deren Rendite sinkt entsprechend, im März bei zehnjähriger Laufzeit wieder einmal bis in den Negativbereich.

Da sich auch die Konditionen für Immobilienfinanzierungen daran orientieren, ist Baugeld derzeit so günstig zu bekommen wie selten zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. Für 5-jährige Darlehen werden aktuell unter optimalen Bedingungen weniger als 0,8 Prozent verlangt, für 10-jährige unter 1,0 und für 15-jährige häufig weniger als 1,5 Prozent. Gute Zeiten also, um eine Anschlussfinanzierung abzuschließen oder einen neuen Immobilienkredit aufzunehmen. Um die attraktivsten Konditionen am Markt zu erhalten, lohnt sich eine professionelle Finanzierungsberatung – automatische Online-Vergleichsprogramme haben oft nennenswerte Lücken.

Immobilienpreise

Zwischen Ende 2017 und Ende 2018 legten die Immobilienpreise in den deutschen Großstädten Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt/Main, Stuttgart und Düsseldorf erneut kräftig zu. Spitzenreiter ist Berlin, wo in Neukölln 20, in Kreuzberg und im Wedding 17 Prozent Preissteigerung zu Buche standen (Referenzobjekt ist eine 80-Quadratmeter-Neubauwohnung mit drei Zimmern). Die höchsten Berliner Preise werden nach wie vor im Bezirk Mitte mit durchschnittlich 7.256 Euro pro Quadratmeter aufgerufen.

In München fiel die Steigerung zwar nicht so hoch aus, jedoch gilt hier bereits ein ganz anderes Preisniveau: 12.194 Euro Quadratmeterpreis in Maxvorstadt bedeuten einen Anstieg um gut 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch in Schwabing-West und in Lehel liegen die Preise jenseits der 12.000-Euro-Grenze (plus 12 bzw. 10 Prozent). Zweistellige Preissteigerungsraten wurden ebenfalls in den weiteren Top-7-Metropolen verzeichnet, in der Frankfurter Altstadt über 18 Prozent.

Mehr und mehr schlägt die Immobilienknappheit in den Großstädten auch auf deren Umland durch. So stiegen die Preise in den Landkreisen um München zuletzt zum Teil um mehr als 10 Prozent p. a. Im Landkreis Segeberg im Hamburger Einzugsgebiet verteuerten sich Neubau-Einfamilienhäuser um 9,7 Prozent. Auf über 17 Prozent Preiszuwachs kommt Fellbach bei Stuttgart.

Börsenbericht Juni 2019

Alljährlich stellt sich die Frage „Sell in May and go away“. Das alte Börsensprichwort empfiehlt den Rückzug aus Aktien im Mai. „But remember to come back in September“: Schon nach einem halben Jahr solle man wieder in Aktien investieren. Diese Redensart basiert auf der Beobachtung, dass mit dem Mai der im Durchschnitt schlechtere Sechs-Monats-Zeitraum für die Aktienmärkte beginnt. Allerdings war die Mehrheit auch dieser Monate gewinnbringend. Negative Durchschnittsergebnisse errechnen sich nur für die Monate August und September, wobei sich der durchschnittliche Rückgang der Aktienkurse „hinter dem Komma“ abspielt, also unter einem Prozent liegt. Allein die Transaktionskosten, die durch einen Ausstieg aus Aktien und einen Rückkauf nur wenige Monate später entstehen, dürften bei Privatanlegern in der Regel höher sein als der durchschnittliche Kursrückgang. Für das Gros der Anleger ist deshalb die Erkenntnis „Hin und Her macht Taschen leer“ der bessere Rat.

Börsenbericht Juni 2019

Nach dem sehr guten Auftakt an den Kapitalmärkten in den ersten vier Monaten setzte sich der Kursaufschwung im Mai nicht fort. Der größere Teil der Aktienperformance 2019 dürfte demnach schon in den ersten vier Monaten des Jahres entstanden sein. Dabei sind diese Kursgewinne vor dem Hintergrund des vorausgegangenen schlechten Aktienjahres und insbesondere den Kursverlusten im vierten Quartal zu sehen.

Die Kurserholung an den Börsen wurde von einer Veränderung der amerikanischen Geldpolitik begünstigt. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte nach dem Ende der Finanzkrise 2009 insgesamt neunmal ihre Leitzinsen erhöht, letztmalig im Dezember 2018. Zudem hatte sie Monat für Monat für einen Milliardenbetrag Anleihen aus ihrem Bestand verkauft. Beide Maßnahmen, Leitzinserhöhungen und Anleihenverkäufe, verringern die auf den Märkten zirkulierende Geldmenge und bremsen die Kreditvergabe.

Rückblickend gilt diese Politik als einer der maßgeblichen Gründe für die schlechte Kursentwicklung an den Börsen im vergangenen Jahr. Zumal es so ausgesehen hatte, als würde die US-Notenbank diese Geldpolitik in diesem Jahr fortsetzen. Nachdem mit schöner Regelmäßigkeit alle drei Monate die US-Leitzinsen um einen Viertelprozentpunkt erhöht worden waren, sprach man schon von einem „Autopilot“, der die US-Geldpolitik steuert.

Das änderte sich allerdings zu Beginn dieses Jahres: Der „Autopilot“ wurde erklärtermaßen abgeschaltet – und tatsächlich gab es seit Dezember keine weitere Erhöhung der Leitzinsen in den USA. Im Gegenteil: An den US-Börsen gibt es sogar die Erwartung, dass die US-Notenbank ihren Leitzins gegen Ende des Jahres senken könnte. Das würde Spielraum für weiter steigende Kurse schaffen. Allerdings dürfte die amerikanische Notenbank wohl nur dann die „Zinswende“ nach unten einleiten, wenn die Konjunktur Anzeichen von Schwäche zeigt. Danach sieht es bislang nicht aus. Die Rezessionsbefürchtungen des vierten Quartals waren wohl übertrieben. Es gibt zwar eine Verlangsamung des Wachstums – aber eben immer noch Wachstum. Es ist von einem „Slowdown“ die Rede. Schon mehrfach gab es Phasen langsameren Wachstums, ohne dass es das Ende des Konjunkturzyklus bedeutet hat.

Als die US-Notenbank „Fed“ auf ihrer Sitzung im März weiteren Zinserhöhungen in diesem Jahr eine klare Absage erteilte, schuf das die Grundlage dafür, dass sich der Kursaufschwung bis Anfang Mai fortsetzte. Diese Kursbewegung überstieg damit das Ausmaß, das für eine untergeordnete Erholungsbewegung zu erwarten gewesen wäre. Vielmehr reichte die Kursbewegung soweit, dass in den meisten Fällen von neuen übergeordneten Aufwärtstrends ausgegangen werden kann.

Dass sich diese Aufwärtstrends im Mai nicht unterbrechungsfrei fortsetzen konnten, lag an den neu auflebenden Sorgen um den amerikanisch-chinesischen Handelsstreit. Die überraschende Ankündigung weiterer Sonderzölle durch US-Präsident Trump gegen China löste weltweit Sorgen um Auswirkungen des eskalierenden Handelskonflikts aus. Die US-Maßnahmen gegen den chinesischen Telekom-Ausrüster Huawei brachten Technologie-Werte, darunter insbesondere Chip-Hersteller unter Druck. Der viel beachtete US-Aktienindex Dow Jones Industrial Average näherte sich im April und Anfang Mai seinen Rekordständen, die er erst im Oktober des Vorjahres bei rund 26.950 markiert hatte. Der S&P-500-Index für die 500 größten US-Konzerne und der Nasdaq-100-Index für die 100 größten Unternehmen, deren Aktien an der Nasdaq-Börse gehandelt werden, überstiegen ihre alten Rekorde aus dem vergangenen Oktober sogar leicht, bevor es im Mai wieder unter diese Marken ging.

Die meisten europäischen Aktienindizes, darunter der Euro-STOXX-50 für Standardwerte aus Euroland und der DAX für die 30 größten deutschen Aktiengesellschaften, schafften es trotz ihrer Kurserholung in den ersten vier Monaten noch nicht wieder auf das Rekordniveau.

Die neuerliche Eskalation des Handelskonflikts durch US-Präsident Trump hat die Börsen zu einem unglücklichen Zeitpunkt getroffen: Nach vier Monaten mit Kursgewinnen war die Bereitschaft zu sogenannten „Gewinnmitnahmen“ gewachsen, also zu Verkäufen mit Gewinn. Dass dies bei US-Aktien in der Nähe der alten Hochs geschieht, könnte dort psychologisch eine sogenannte Widerstandszone entstehen lassen. Darunter versteht man ein Kursniveau, das meist erst nach mehreren Anläufen überwunden werden kann. Wenn Aktienkurse mehrfach ein bestimmtes Kursniveau nicht überwinden konnten, entsteht die Erwartung, dass dies auch ein weiteres Mal nicht geschieht. Auf einen neuerlichen Kursanstieg in diesen Bereich wird dann mit verstärkten Verkäufen reagiert, was zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führt: Verstärkte Verkäufe und eine nachlassende Bereitschaft, auf diesem „gefühlt hohen“ Kursniveau noch Aktien zu kaufen, führen dann zu sinkenden Aktienkursen.

Erst wenn eine Mehrheit der Marktteilnehmer überzeugt ist, dass die Aktien mehr wert sind, gelingt der Anstieg über den Widerstand bzw. die Widerstandszone. Die aktuelle Bewertung vieler großer US-Aktien, die in den Indizes hohes Gewicht haben, spiegelt aber bereits positive Wachstums- und Gewinnerwartungen an die Zukunft wider. Diese Erwartungen könnten sich als zu optimistisch erweisen, wenn der Handelskonflikt zwischen den USA und China eskaliert.

Die Erhöhung vieler Zollsätze von 10 auf 25 Prozent und die Ausweitung auf die Mehrheit der Güter, die die USA in China einkaufen, birgt zudem die Gefahr, dass sich viele Preise in den USA verteuern. Denn für die meisten Importgüter aus China gibt es wenig andere Anbieter auf dem Weltmarkt. Die US-Volkswirtschaft kann viele billige Importe aus China kurzfristig gar nicht und mittelfristig nur teurer ersetzen. Den Amerikanern bleibt also kaum eine Wahl: Sie kaufen weiter in China ein und zahlen die Zölle. Damit sind es letztendlich die amerikanischen Konsumenten, die zur Kasse gebeten werden.

So oder so, ob mit Zollaufschlag auf chinesische Produkte oder durch teurere Ersatzimporte aus anderen Ländern: Die Zollpolitik von Trump führt zu einem Anstieg vieler Konsumentenpreise in den USA. Bei der erfreulich geringen Arbeitslosigkeit und einem allmählich steigenden Lohndruck dürfte das dafür sorgen, dass die US-Notenbank die Inflation im Auge behalten muss. Inflationsgefahren und damit die Notwendigkeit, die Geldpolitik doch wieder strenger zu gestalten, würden den Börsen nicht gefallen.

China kann bei etlichen seiner bislang in den USA gekauften Waren leichter auf andere Anbieter ausweichen, darunter bei Agrarprodukten wie Soja und Schweinefleisch. Aufgrund des von Trump begonnenen Handelsstreits, den er glaubte „leicht gewinnen“ zu können, ist der von ihm erhoffte Effekt auf den Handelsbilanzsaldo ausgeblieben. Im Gegenteil: Durch den Rückgang der US-Ausfuhren nach China ist die Lücke zwischen Aus- und Einfuhren sogar noch größer geworden. Die USA sind gerade dabei, den angeblich so leicht zu gewinnenden Handelskrieg zu verlieren.

Vom Verbrauchervertrauen und vom Arbeitsmarkt in den USA sind zunächst wenig positive Impulse auf die Wallstreet zu erwarten. Das Verbrauchervertrauen war insbesondere im Dezember und im Januar 2019 stärker geschwunden, die Arbeitsmarktdaten waren seit Beginn dieses Jahres auch eher enttäuschend ausgefallen. Im Februar wurden beispielsweise 20.000 weniger neue Stellen geschaffen als erwartet. Die Arbeitslosenquote ist mit unter vier Prozent auf einem Niveau, das Volkswirte als „Vollbeschäftigung“ bezeichnen. Das ist zunächst gut für das Verbrauchervertrauen und den privaten Konsum, bedeutet für die Unternehmen aber steigende Lohnforderungen sowie eventuell Arbeitskräftemangel und in der Folge steigende Kos- ten. Zudem sind auf diesem Niveau früher oder später schlechtere Nachrichten wahrscheinli- cher als ein noch weitergehender Rückgang der Arbeitslosenquote.

Fazit: Während eine Reihe von Faktoren dafürsprechen, dass die US-Aktienmärkte es zunächst schwer haben dürften, deutlich über die alten Rekordhochs hinauszukommen, besitzen andere Aktienmärkte noch Aufholpotenzial.