
von Jan
Redakteur bei Finanzleser.de
09. Juni 2026
Inhaltsverzeichnis
Basistarif PKV: Notfallnetz für finanzielle Engpässe
Der Basistarif PKV ist ein gesetzlich vorgeschriebenes Sicherheitsnetz für Privatversicherte, die ihre regulären Beiträge nicht mehr tragen können. Seit der Einführung der Krankenversicherungspflicht haben alle Privatversicherten die Möglichkeit, bei finanziellen Schwierigkeiten in diesen speziellen Tarif zu wechseln. Der Basistarif PKV bietet Leistungen auf dem Niveau der gesetzlichen Krankenversicherung und funktioniert als soziales Auffangnetz.
2026 liegt der Höchstbeitrag bei 1.017,18 Euro pro Monat. Zusätzlich fallen Kosten für die Pflegeversicherung von maximal 209,25 Euro an. Obwohl dieser Betrag höher klingt als der Standardtarif mit 848,62 Euro, gilt der Basistarif PKV als letzte Option – nur wenn alle anderen Wege verschlossen sind.
Was ist der Basistarif in der PKV?
Der Basistarif PKV bietet Leistungen im gleichen Umfang wie die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Als brancheneinheitlicher Tarif wird er von allen privaten Krankenversicherern identisch angeboten und zentral vom PKV-Verband kalkuliert. Das bedeutet standardisierte Bedingungen bei allen Anbietern.
Der Leistungsumfang orientiert sich bewusst an der GKV: Privatarzleistungen werden nicht bezahlt. Versicherte müssen sich wie GKV-Patienten ausschließlich von Kassenärztinnen und -ärzten behandeln lassen. In der Praxis führt diese Einschränkung oft zu Problemen bei der Arztsuche, besonders in ländlichen Regionen.
Ein zentraler Vorteil des Basistarif PKV ist die gesetzliche Annahmepflicht: Alle Versicherer müssen jeden Antrag annehmen – unabhängig von Vorerkrankungen. Risikozuschläge und Leistungsausschlüsse gibt es nicht. Dies macht ihn zur echten Auffanglösung für Personen mit chronischen Erkrankungen, die in regulären PKV-Tarifen abgelehnt würden.
Wer kann in den Basistarif PKV wechseln?
Die Zugangsvoraussetzungen hängen vom Abschlussdatum ab. Wer die private Krankenversicherung nach dem 31. Dezember 2008 abgeschlossen hat, kann jederzeit in den Basistarif PKV eines beliebigen Versicherers wechseln.
Für Altverträge vor 2009 gelten strengere Regeln. Ein Wechsel ist möglich, wenn Sie:
- Mindestens 55 Jahre alt sind und Ihr Einkommen die Beitragsbemessungsgrenze der GKV (2026: 5.812,50 Euro/Monat) nicht übersteigt
- Ab 65 Jahren mit mindestens 10 Jahren ununterbrochener PKV-Mitgliedschaft versichert sind
- Eine gesetzliche Rente oder Beamtenpension beziehen
Zusätzlich haben diese Personengruppen Anspruch auf den Basistarif PKV: Rentner, hilfsbedürftige Personen sowie alle Menschen ohne aktuelle GKV-Versicherung. Wer die gesetzliche Versicherung verliert – etwa durch Wechsel in die Selbstständigkeit – kann innerhalb von 6 Monaten einen Antrag stellen.
| Personengruppe | Zugangsvoraussetzungen |
|---|---|
| PKV seit 2009 | Jederzeit wechselbar |
| PKV vor 2009 | Ab 55 Jahren mit Einkommensgrenze oder ab 65 Jahren |
| Rentner | Mit gesetzlicher Rente oder Beamtenpension |
| Hilfsbedürftige | Bei Sozialleistungsbezug |
| Nichtversicherte | Der PKV zugeordnet |
Beitragshöhe im Basistarif PKV 2026
Der Höchstbeitrag von 1.017,18 Euro errechnet sich aus: 14,6 % allgemeiner Beitragssatz + 2,9 % Zusatzbeitrag multipliziert mit 5.812,50 Euro Beitragsbemessungsgrenze. Diese Obergrenze entspricht dem GKV-Höchstbeitrag inklusive Zusatzbeitrag ab 2026.
Der individuelle Beitrag im Basistarif PKV kann unter dieser Grenze liegen durch:
- Vorhandene Altersrückstellungen
- Arbeitgeberzuschuss (maximal 508,59 Euro im Jahr 2026)
- Zuschuss der Rentenversicherung bei Rentenbezug
Der Beitrag richtet sich ausschließlich nach dem Eintrittsalter – nicht nach dem aktuellen Gesundheitszustand. Diese einheitliche Kalkulation führt dazu, dass fast alle Versicherten im Basistarif PKV den Höchstbeitrag zahlen.
Beitragshalbierung bei Hilfebedürftigkeit
Für hilfsbedürftige Versicherte gibt es eine entscheidende Entlastung: Sind Sie hilfebedürftig im Sinne des Sozialrechts oder würden dies durch Zahlung des Beitrags werden, reduziert sich Ihr Basistarif-Beitrag auf die Hälfte – auf 508,59 Euro im Jahr 2026.
Besteht trotz Beitragshalbierung weiterhin Hilfebedürftigkeit, zahlt der zuständige Träger (Bundesagentur für Arbeit oder Sozialamt) einen Zuschuss, um die Hilfebedürftigkeit zu vermeiden. Im Extremfall übernimmt er sogar den halbierten Beitrag vollständig.
Leistungsumfang und Zuzahlungen
Die Leistungen im Basistarif PKV entsprechen denen der gesetzlichen Krankenkassen. Der Leistungskatalog umfasst medizinisch notwendige Behandlungen, Arzneimittel, Hilfsmittel, Kuren, Rehabilitation und Psychotherapie.
Wie in der GKV fallen Zuzahlungen an:
- Arzneimittel: 6 Euro pro Packung
- Hilfsmittel: 8–10 Euro je nach Art
- Physiotherapie: 2–10 Euro je Verordnung
- Zahnersatz: mindestens 25 Prozent Eigenanteil
Ein wichtiger Unterschied zu regulären PKV-Tarifen: Der Basistarif PKV deckt keine Extras wie Chefarztbehandlung oder Einbett-Zimmer ab. Die sonst üblichen Wartezeiten der PKV (3 und 8 Monate) gelten hier nicht.
Aus dem Basistarif PKV herauswechseln
Ein Rückwechsel aus dem Basistarif PKV in einen regulären Tarif ist unter bestimmten Bedingungen möglich. Wenn Sie wegen Hilfebedürftigkeit nach dem 15. März 2020 in den Basistarif PKV gewechselt sind, können Sie innerhalb von zwei Jahren ohne erneute Gesundheitsprüfung zurück – sofern Sie den Antrag innerhalb von drei Monaten nach Ende der Hilfebedürftigkeit stellen.
Ist die Hilfebedürftigkeit länger als zwei Jahre gegeben, wird ein Wechsel deutlich schwieriger. In diesem Fall ist meist eine neue Gesundheitsprüfung nötig. Beachten Sie auch, dass die Beitragsanpassung PKV bei einem Rückwechsel wieder relevant wird – Sie müssen sich auf steigende Beiträge einstellen.
Vor einem Wechsel in den Basistarif PKV sollten Sie diese Alternativen prüfen:
- Wechsel in die GKV unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. bei Arbeitslosengeld I)
- Günstiger regulärer PKV-Tarif bei Ihrer jetzigen Versicherung
- Für Altverträge vor 2009: der oft billigere Standardtarif
Fazit
Der Basistarif PKV erfüllt eine wichtige soziale Funktion, sollte aber wirklich nur als letzte Option betrachtet werden. Die Leistungen sind schlechter als in regulären PKV-Tarifen, und mit 1.017,18 Euro monatlich deutlich teurer als viele reguläre Tarife für jüngere Versicherte.
Der Basistarif PKV ist vor allem für hilfsbedürftige Versicherte gedacht, die Sozialleistungen nach SGB II oder SGB XII beziehen. Durch die Beitragshalbierung und staatliche Zuschüsse bietet er ihnen eine bezahlbare Lösung mit vollwertiger Grundversorgung – auch wenn diese mit Einschränkungen bei Arztwahl und Leistungsumfang verbunden ist.
Prüfen Sie daher alle Alternativen vor dem Wechsel in den Basistarif PKV: einen Rückgang zur GKV, günstigere PKV-Tarife oder bei Altverträgen den Standardtarif. Nur wenn diese Wege tatsächlich verschlossen sind, bietet der Basistarif PKV immerhin die notwendige Grundversorgung.
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