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Lieferando & Co.: So fair ist die deutsche Plattformökonomie

Zenjob hat die fairsten Arbeitsbedingungen unter deutschen Online-Dienstleistern. Laut Auswertung der Organisation Fairwork erreicht die Online-Personalvermittlung neun von zehn Punkten in den Kategorien Bezahlung, Arbeitsbedingungen, Verträge, Managementprozesse und Mitbestimmung. Besonders schlecht schneiden Mobilitätsdienstleister und die seit Beginn der Pandemie boomenden Express-Lieferdienste ab.

Wie unsere Grafik zeigt, erreichen FreeNow und Uber lediglich einen von zehn Punkten im Fairwork-Ranking und können nur mit deutlich formulierten Verträgen aufwarten. Auch Gorillas, der durch eine arbeitnehmer:innenfeindliche Politik und daraus resultierenden Streiks in die Schlagzeilen geratene Lieferdienst, erhält für seine Verträge einen Punkt. Die Zahlung des Mindestlohns abzüglich Posten wie “Kosten für den Transport zwischen Einsatzorten, Arbeitsmaterial, Reparatur und Wartung von Fahrzeugen, Benzin, Gebühren für mobile Daten und Versicherungen sowie Provisionszahlungen an die Plattformen selber” honoriert Fairwork mit einem weiteren Punkt. Oft reicht der gesetzliche Mindestlohn allerdings nicht aus, um die Existenz der Angestellten der Online-Dienstleister zu sichern. Diesen sogenannten Existenzlohn, den Fairwork auf Basis der Konsumausgaben privater Haushalte auf 1.600 Euro netto für eine alleinstehende Person festlegt, hatten 2021 lediglich zwei Online-Dienstleister gezahlt, Zenjob und der im Dezember insolvent gegangene Pflegedienst Careship. Auch hinsichtlich Antidiskriminierungsarbeit besteht bei deutschen Online-Dienstleistern noch Nachholbedarf: Nur Lieferando, Wolt und Zenjob konnten entsprechende Maßnahmen nachweisen.

Das Fairwork-Initiative überprüft einmal jährlich die Arbeitsbedingungen in der Plattformökonomie in 25 Ländern weltweit. Zu den untersuchten Kriterien zählen unter anderem Mitspracherecht von Arbeiter:innen, Vereinigungsfreiheit, soziale Absicherung und Gleichstellung von Arbeitenden. Das Projekt des Oxford Internet Institute und des Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) wird unter anderem von der Berliner Charité und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert.